Als die Piraten Ihre Basisdemokratie verloren

Basisdemokratie beginnt – wie man vermutet – an der Basis. Dort reifen Meinungen und Ideen, welche dann – gepusht durch dubiose Kanäle – von eben dieser Basis abgesegnet oder verworfen werden können. Dieser Vorgang funktioniert nur solange richtig gut, bis die Basis es nicht schafft sich von Mehrheitsmeinungen zu emanzipieren und nicht mehr über den Tellerrand blicken kann.

Genau das passiert gerade. Mit der unsäglichen, medial gezüchteten Debatte über Rechtsextremismus in der Piratenpartei wird der Basis eine Meinung vorgeschoben, welche Sie zu akzeptieren hat um im politischen Alltagsbetrieb in Deutschland mitspielen zu dürfen. Dabei ist das Thema gar nicht neu und eigentlich auch gar kein Piratenthema. Sicher gibt es eine Gefahr, durch dubiose Personen (s. Link oben) unterwandert zu werden. Allerdings gibt es diese Gefahr nur, wenn die Basis keinen unabhängigen Konsens finden kann. Das ist eine erstaunliche Methodik. Erst wird den Piraten erzählt, sie hätten ein Rechtsextremismusproblem, dann glauben die Piraten auch noch daran, distanzieren sich davon und bekommen in Zukunft doch nur wieder Probleme mit diesem Thema. Hat man sich erst einmal an einer Stelle gekratzt, fällt es schwer, damit aufzuhören.

Den Piraten ist dringend zu empfehlen sich auf Ihre Stärken zu besinnen und Basisdemokratie vorzuleben. Dazu gehört auch, sich der medialen Schlacht zu entziehen und kein weiteres Öl in Form von Entschuldigungsschreiben oder Bekennerbriefen ins Feuer zu gießen. Die Debatte darf auf keinen Fall innerhalb der Medien stattfinden oder von dort gelenkt werden.

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Offener Brief an Georg Schramm

Letzten schrob ich diesen offenen Brief an Herrn Georg Schramm:

Lieber Herr Schramm,

 nachdem ich nun einige Ihrer Kabarett-Auftritte gesehen habe – zugegeben, nicht live, sondern immer nur Aufzeichnungen, ich habe also noch nie für Ihre Show bezahlt (bitte liebe Agentur, lassen Sie das kein Kriterium sein, diesen Brief nicht weiterzuleiten) – komme ich nicht umhin Ihnen meinen großen Dank auszusprechen und Ihnen mein großes Leid zu klagen, welches Sie teilweise durch Ihre Auftritte nur noch verstärkt haben.

Ihre Wortbeiträge lösen bei den Menschen stets Gelächter aus. Die schrecklichen Fakten, die Sie in Ihren komödialen Referaten den Menschen meist lustig beizubringen versuchen, lösen bei mir allerdings nur noch mehr Wut und Trauer. Wütend bin ich, dass die Menschen in diesem Land, gar auf der ganzen Welt, nicht an erster Stelle stehen. Das Geld regiert die Welt – und das Geld haben einige obere 10.000. Wütend bin ich auch darüber, dass das Volk durch altmodische, römische Prinzipien von vorne bis hinten verarscht wird. Wütend bin ich, dass immer noch mehr Werte für den Werterhalt einiger Werte ausgegeben werden, als für die Zukunft der Menschen. Wütend bin ich darüber, dass unsere, eigentlich gut gemeinten Grundgesetze, für die Politik offensichtlich nur noch Hindernisse auf Ihrem Weg sind.

Dieses ständige Wütendsein, das erschöpft doch nahezu alle Reserven, die ein Mensch aufbringen sollte, um sich seiner Verantwortung in seinem eigenen Leben bewusst zu sein. Was soll ich noch arbeiten, wenn es doch keine Zukunft für mich oder für andere bringt? Warum soll ich Kinder in diese Welt setzen, wenn Sie doch noch schlechtere Aussichten haben, als es in der Gegenwart schon der Fall ist? Verstehen Sie mich recht: Eigentlich will ich ja Kinder haben, ich möchte für eine Familie sorgen und verantwortlich und vernunftbegabt handeln. Die Energie, die ein Mensch in sich trägt, sollte doch genau dafür da sein. Denn schließlich ist es doch der einzige heute erkennbare Grund, warum wir uns überhaupt noch auf Steuererklärungen, Praxisgebühr, Staatsterrorismus, Verkehrskollaps, Krieg und Politik einlassen. Wir wissen das immer jemand hinter uns steht. Das die eigene Familie stets der Ort ist, an dem wir uns wieder den urmenschlichen Prinzipien nähern. Familie ist für mich der einzige Sinn des Lebens, den ich bis heute erkennen kann.

Traurig bin ich aber auch. Traurig bin ich darüber, dass die Menschen, vor denen Sie sprechen, stets nur über Ihre Reden lachen können. Traurig bin ich darüber, dass diese Menschen, sobald sie den Saal verlassen haben, sich wahrscheinlich keine Veränderungen herbeiwünschen. Traurig bin ich auch darüber, dass man diesen Menschen wahrscheinlich nicht einmal etwas dafür vorwerfen kann.

Warum wollen diese Menschen keine Veränderung? Weil Sie Familie haben und diese so gut wie möglich zu Schützen versuchen. Das dies, wenn man die Zukunft recht betrachtet, reichlich irrational erscheint, ist für mich ein Punkt den ich noch erläutern muss.

Traurig bin ich darüber, dass die Menschen über die Wahrheit nur noch lachen können, aber die Lügen, die Ihnen die Leitmedien auftischen, stets kopfschüttelnd und grimmig dreinblickend in ihrem Bekanntenkreis saftige Sagen schwingen und diese zum Thema der Woche erkoren. 

In meiner Ausbildung wurde bei mir beigebracht Ziele zu erreichen. Nur durch das stetige, unablässige Erreichen gesetzter Ziele ist die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens gesichert. Nichts zu erreichen bedeutet Stagnation, bedeutet den wirtschaftlichen Tod. Und sei das Ziel auch noch so klein: es gilt, dies zu erreichen und den Anderen zu kommunizieren. Dann kann man zu sich selber sagen, dass man etwas geschafft hat.

Dieses einfache wirtschaftliche Prinzip gilt natürlich auch für unseren Staat. Ziele müssen erreicht werden, das Plansoll muss eingehalten werden.  Die Bilanz muss stimmen, egal was es kostet (ein schönes Wortspiel, wie ich finde). Wenn man dieses einfache Prinzip, die Schablone des kleinsten wirtschaftlichen Faktors, des Arbeiters und Angestellten, nun auf den Schatten der Politik legen würde, sähe man die Umrisse des Dämons der Korruption und Kriminalität. Die Ziele unserer Regierung stimmen nämlich schon lange nicht mehr mit denen überein, für die der Arbeiter und Angestellte im schlimmsten Fall sein Leben riskieren soll. Wäre diese Schablone kongruent zu dem erwähnten Schatten, würde wahrscheinlich niemand mehr arbeiten gehen, sondern Rauben und Morden. 

Wie also kann sich ein aufgeklärter Mensch in dieser Gesellschaft behaupten? Wie kann er von Anderen ernst genommen werden? Wo muss man die Menschen anstoßen, damit sie aus Ihrem dissonanten Tal, in dem Wahrheit und Lüge umgekehrt sind, herausrollen? Wann wird der Mensch nicht mehr belacht, der sich traut, die Lüge als Wahrheit zu deklarieren? Wann wird in Ihren Vorstellungen nicht mehr gelacht?

Das Problem, und gleichzeitig unser Segen (also unser Fluch), die Familie, ist für mich immer noch der einzige erkennbare Grund. Zugegeben, für Manche ist die Familie das Sechserpack Bier, die Sportschau am Abend, ein Einkaufsbummel oder der Discobesuch am Wochenende. Die Verlustangst ist aber die gleiche, sozusagen eine Ersatzangst. Des Volkes Methadon. Die Angst, diese Institution des Lebens zu verlieren, ist größer als der Wunsch nach einer menschlicheren Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder. Unsere, also die individuelle Gegenwart, ist uns wichtiger als unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder. Obwohl wir die Gegenwart nie beeinflussen können, da sie in jedem Augenblick auch schon wieder vorbei ist. Die Menschen haben sich noch nie auf die Aussicht einer rosigen Zukunft erquicken lassen. Stellen Sie einen Menschen vor die Wahl, wird er immer die zu seinem eigenen Nutzen beitragende Option wählen. Wir können gar nicht anders Denken, glaube ich.

Das ist für mich der moderne Mangel des Menschen. Nicht die fehlenden Klauen, Reißzähne oder Fluchtinstinkte machen uns heute dazu, sondern der über die Familie hinausgehende, fehlende Zusammenhalt. Das Sippendenken ist fest in uns verankert. Selbst unsere Großstädte, Verkehrsverbindungen und Kommunikationsformen können dies noch nicht überwinden. Während wir also große Häuser bauen, Autobahnen teeren und Kommunikationskabel verlegen sind wir uns gar nicht bewusst, dass die meisten Menschen für diese Welt noch gar nicht bereit sind. Während wir Gedanklich innerhalb der Sippe residieren, sehen wir die anderen Sippen gar nicht, die um uns herum das gleiche denken. Wir sind gerade dabei uns auf unserem eigenen, evolutionären Weg zu überheben; wieder einmal. Der Schwanz überholt den Kopf und dann stolpern wir. Dieser Rhythmus hat sich in der nahen und fernen Geschichte schon oft wiederholt, wie sich an dem dokumentierten, globalen Leid erkennen lässt. Leider lassen die Anzeichen nichts anderes zu, als dass sich dieser Rhythmus gerade im Stadium des Ausscherens befindet.

Letztendlich ist es unser Egoismus, der uns dazu antreibt, nichts zu tun. Ein Impuls, der unsere Trägheit zu überwinden vermag, wäre nötig um aus einem lachenden Publikum ein Revoltierendes zu machen. Woher soll dieser Impuls kommen? Von wem? Ich fühle mich jedenfalls noch nicht dazu in der Lage. Die Hoffnung, die dieses Schreiben mir geben sollte, dass ich die Wahrheit von der Lüge unterscheiden kann, diese Hoffnung sollte mir soviel Zuversicht geben, dass ich mit Fackel und Heugabel auf die Straße gehen kann. Jedoch wird die Hoffnung getrübt, von der Frage, ob ich die Welt tatsächlich richtig sehe. Ich könnte fast glauben, ich sei verrückt, da ich zwar selbst von Wahrheit und Lüge zu unterscheiden vermag, mir jedoch eingeredet wird, dass man alles so hinzunehmen hat, wie es kommt und das die Wahrheit nichts anderes ist als das, was wir gerade vor Augen haben – nicht, was dahinter steckt.

Die Tatsache, dass unsere Regierung nicht mehr ist als ein Haufen voller Halunken, würde mir leider relativ früh bewusst. Wäre dies ein paar Jahre später passiert, hätte ich vielleicht noch die Chance gehabt, mein Leben diesem System anzupassen. Morgen werde ich 26 Jahre alt und hoffe, dass in mir irgendwann der Funke aufglüht, die Faust zu ballen und allen anderen mal so richtig auf die Fresse zu hauen.

Hochachtungsvoll,

xxx