Kinderfalle

Bei einem Spaziergang durch die Konsumtempel auf der hiesigen Umsatzmeile ist mir heute folgende Auffälligkeit klar geworden: Abteilungen, die ein Warensortiment für Kinder führen, sind meistens in der obersten Etage eines dieser Konsumtempel. Dies beinhaltet Kinderbekleidung und Spielzeug. Dieses Ladendesign hat den offensichtlichen wirtschaftlichen Vorteil, dass Kinderlärm die umsatzstarken Käufergruppen nicht beim Geldausgeben stört. So wird die Aufenthaltszeit (das ist die Zeit bis man von den ganzen audiovisuellen Eindrücken genervt ist und abhaut) für diese Käufergruppen verlängert und außerdem das Image eines bequemen Einkaufscenters gepflegt.

Aber was ist wenn es brennt? Also, wenn ein Feuer ausbricht?

Dann haben die Kinder und Ihre Familien, ganz unabhängig von der Existenz von Notausgängen, stets den längeren Weg zum Ausgang. Ist das nicht schräg? Wir nehmen in Kauf, dass Kinder verbrennen könnten, damit Oma und Opa oder ein hedonistischer Kinderhasser bequem Ihre Kleider und Pollunder aussuchen können. Meiner Meinung nach ist das offensichtlich falsch, vor allem wenn man sich mal ein bisschen mit den Brandschutzbestimmungen in Deutschland auseinander gesetzt hat. Noch ein Aspekt der vom Geld geschaffen und kontrolliert wird.


Des Zornes Bühne

Georg Schramm erklärt in seinem Bühnenprogramm „Thomas Bernhard hätte geschossen“ die Politik aus der Sicht verschiedener, deutscher Stereotypen. Dabei werden Denkverbote mit einem erstaunlichen Ergebnis durchbrochen, sodass einem bei näherer Überlegung das Lachen im Halse stecken bleiben sollte. Besser, man hätte gar nicht gelacht. Thomas Bernhard hätte nämlich geschossen.


Enquete Internet und digitale Gesellschaft

Seit Anbeginn des Internet, aber erst seit knapp einem Jahrzehnt auch für alle Menschen in der Gesellschaft spürbar, tat sich zwischen den „Netizens“ und den „Offlinern“ eine wachsende Kluft auf. „Netizens“, das sind im Allgemeinen die Leute, die sich tagtäglich in irgendeiner Weise mit dem Internet beschäftigen und ihr Leben zusammen mit dem Internet gestalten. „Offliner“ sind Personen, die nicht den gleichen offenen und phantasievollen Umgang mit dem Internet pflegen und es höchstens als Werkzeug sehen, statt als Lebensraum. Wenn diese Schlagwörter, „Netizens“ und „Offliner“ in den Medien auftauchen, ist sich jeder bewusst, welcher Mensch gemeint ist. Wir machen uns sogar ein Bild von ihm im Kopf, dass dann je nach Laune etwas variiert, aber die fundierten Klischees zureichend bedient. Das gleiche tun wir, wenn wir „Freak“ hören, oder „Geek“, oder „Nerd“, oder „Nutte“, „Schlampe“, „Wichser“, „Arschloch“, usw. usf.

Damit der gemeine Bürger politische Konflikte auch bürgernah betrachten und anschließend bewerten kann, wurden eben diese zwei Kategorien erschaffen. Der Streit wäre viel zu abstrakt und unverständlich, würde er sich nur in Parlamenten und Ausschüssen abspielen. Um sich eine Meinung bilden zu können, muss sich der Mensch selber von etwas abgrenzen, sich selber ein Stück Freiheit nehmen und es den Anderen zum Vorwurf machen. Es kommt dem Menschen also nur gelegen, wenn wir Kategorien erschaffen, da wir sie viel einfacher miteinander verknüpfen und abwägen können. Diese Kategorisierung ist einerseits hilfreich, andererseits birgt sie gewisse Risiken. Das hängt ganz davon ab, wie weit es dem Menschen möglich ist, miteinander seine Meinungen auszutauschen.

Die Möglichkeiten der heutigen, verknüpften Gesellschaft waren noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbar und wenn, dann waren diese Vorstellungen (oder Visionen, Ideen, …) meistens nicht sehr optimistisch. Die Entwicklung des Internets, insbesondere des WWW seit gut über 15 Jahren, hat sich derart Rasant vollzogen, dass wir es nicht geschafft haben unsere gesamtgesellschaftliche Meinungsbildung, über welche Themen auch immer,  an die neuen Werkzeuge anzupassen. Waren früher Zeitungen und Rundfunk die maßgeblichen Medien zur flächendeckenden Verbreitung von Information und Meinung, ist heute das Internet mit seinen unzähligen Diensten auf dem Weg, alle bisher dagewesenen Kommunikationsmöglichkeiten in den Schatten zu stellen. Das führt dazu, dass sich die Menschen der Meinungen Derer bewusst werden, zu denen sie vorher keinen Zugang hatten. Jeder kann wissen, was ein Mensch aus Xanten über einen bestimmten Vorgang denkt, wenn er einen Kommentar eines Xanteners in einem  Nachrichtenportal liest, der unter einem Artikel steht der eben diesen Vorgang beschreibt. Eine Meinung kann nun, historisch gesehen ziemlich plötzlich, hunderte von Kilometern überbrücken. Wenn ein Vorgang vor 60 Jahren lokal begrenzt war und lediglich in den Lokalmedien zur Sprache kam, kann dieser Vorgang heute ein nationalpolitisches Problem auslösen, welches wieder der Ursprung für weitere Debatten ist.

Weil in der Prä-Internet-Zeit Informationen (und vor allem Meinungen) sehr viel länger gebraucht haben um eine gewisse Wegstrecke zurück zu legen, war die Kategorisierung sehr hilfreich. Diese Methode hatte zu dieser Zeit einen sehr viel höheren Nutzen (schnellere Lösung des Problems), als dass die Kosten (Verlust von Information) auch nur irgendwie mehrheitlich in Frage gestellt wurden.

In der Gegenwart merken wir nun, dass wir diese Kategorisierung nicht mehr brauchen. Informationen sind, für die, die es sich leisten können, zu jeder Zeit und immer verfügbar. Wenn sich der Mensch für ein Problem interessiert, kann er sich viele verschiedene Meinungen dazu kostenlos im Internet anhören. Mithilfe der dokumentierten Fakten kann man sich also nun differenziert und unvoreingenommen nahezu jedem Problem nähern, dass im Internet archiviert wird. Es gibt viele Menschen, welche diese Möglichkeiten politisiert und aktiviert haben. Diese Menschen glauben nicht mehr, was die Leitschlagzeilen der paar handvoll Verlage den anderen Medien zitieren. Vielen „Netizens“ ist die Meinung eines oder mehrerer klassischen Nachrichtenformate völlig egal geworden. Was heute für sie zählt, ist die Meinung der anderen Menschen. Dies erklärt auch den Erfolg des „Social Networking“. Die Menschen such nun differenziert nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden untereinander, als sich auf die wöchentlichen Umfragen der Magazine zu verlassen. Mit dieser Methode ergeben sich neue Möglichkeiten zur Konsensbildung und damit zur Lösung der eigentlichen Probleme.

Was hat nun die „Enquete Internet und digitale Gesellschaft“ (EIDG) mit all dem zu tun? In dieser Kommission des Bundestages, welche  aus 17 Parlamentariern und 17 Sachverständigen vor über einem Jahr gebildet wurde, wird nun versucht unter beiden Gruppen, „Netizens“ und „Offlinern“, auf einer nationalen, politischen Entscheidungsebene Gemeinsamkeiten zu finden um die Gesetze (und damit die in Konsequenz die Gesellschaft) dieses Landes an die neuen Möglichkeiten anzupassen.  Die gewachsene Kluft soll geschlossen werden. Dieses Bedürfnis wurde erkannt, als sich 2009 eine nicht unerheblich starke – und bis dato unbekannte – Minderheit gegen politische Entschlüsse und Vorschläge der damaligen Regierung gestellt hat. Aus der reinen Not geboren, versucht nun also die EIDG eine Lücke zu schließen. Aber existiert diese Lücke überhaupt? Gibt es die Kluft zwischen „Offlinern“ und „Netizens“ wirklich?

Diese Lücke gibt es nicht. Sie wurde, aus verschiedenen Motiven, extra geschaffen und herbei geredet. Schuld daran haben einige Politiker, Wirtschaftsverbände und Verlage, aber auch die Menschen selber. Einige Politiker, weil sie befürchten, dass sich Wissen und Meinung unbegrenzt und unverändert unter den Menschen verbreiten können. Verlage, weil sie Ihre Vertriebsstruktur und jahrzehntelang mühsam aufgebaute Hierarchie bedroht sehen. Und der etablierten Wirtschaft schlottern die Knie, weil sie kaum an dem profitablen Wachstumsgeschäft der Zukunft teilhaben kann. Lediglich einige Unternehmen, die mit dem Internet und aus dem Internet heraus entwickelt wurden (Google, Facebook, etc. pp.) ziehen einen Nutzen aus der Kommunikationsbereitschaft der Menschen, wobei man nicht aus den Augen verlieren darf, dass das Kommunikationsbedürfnis noch lange nicht gestillt zu sein scheint.

Diese Methoden sind leicht zu entlarven. Meistens wird versucht, die Angst vor dem neuen Medium „Internet“ zu verstärken. Man bemüht sich auserkorener Dämonen (Kinderpornographie, Betrug, moralische Degeneration) um den „Offliner“ auch „Offliner“ sein zu lassen. Der „Offliner“ wie er heute publiziert wird, soll der „Netizen“ von morgen sein. Der „Offliner“ von heute benutzt zwar auch das Internet, jedoch ist seine Betrachtungsweise eine gänzlich Andere. Wenn er sich im Internet bewegt hat er meist Angst „etwas falsch zu machen“ oder seine Daten irgendwo zu hinterlassen, weil er keine Ahnung hat ob er dem Dienstanbieter vertrauen kann, oder nicht. Der „Offliner“ kann nicht zwischen einer Buchseite oder einer Internetseite unterscheiden. Er geht vor und zurück, bedient sich aber selten der Mittel des WWW, die es erst so wertvoll machen. Und wann, dann tut er dies meistens unbewusst – z.b. durch einen Klick auf einen Werbebanner. Er hat sich im Internet nicht unter Kontrolle, weil er Schwarz und Weiß nicht unterscheiden kann. Der „Offliner“ wird mehr von audiovisuellen Reizen kontrolliert als vom literarischen Inhalt einer Homepage. Der „Netizen“ hingegen kennt sich aus. Er kann auf einer Homepage navigieren und von inhaltlich wertvollen Links und Werbeanzeigen unterscheiden. Er kennt die Kriterien für eine gute Homepage und weiß, wann er es mit einem unseriösen Angebot zu tun hat.

Wenn diese beiden Personen aufeinander treffen, kann man stets folgende Situation beobachten:

  • Der „Offliner“ sieht völlig verblüfft dem „Netizen“ bei seiner Arbeit im Internet zu
  • Der Netizen lacht sich insgeheim ins Fäustchen, wenn er den „Offliner“ hilflos über die Tastatur humpeln sieht (Wenn er ein netter „Netizen“ ist, hilft er dem „Offliner“ auch beim gehen… gelacht wird trotzdem)

Das ist der eigentliche Punkt, an dem sich die Menschen und Ihre Meinungen selbstständig voneinander entfernen. Die „Netizens“ sind zu Ignorant und zu Eitel, als dass sie den „Offlinern“ Zugeständnisse machen würden. Und die „Offliner“ sind zu Ignorant und zu Eitel, als dass sie sich irgendwas von den „Netizens“ sagen lassen würden. Genau diese Lücke versucht nun die EIDG zu schließen. Der Teil der Lücke, den wir uns selber gegraben haben, weil wir vergaßen, unsere Eltern und Großeltern in diese neue Zeit mitzunehmen. Gäbe es diesen Teil der Lücke nicht, wäre das Finden eines Konsens unter den Bürgern wesentlich einfacher und wir bräuchten die EIDG nicht. Die Menschen wüssten, welcher Partei sie die politische Entscheidung über Netzaffine Themen überlassen wollen: Nämlich der, die die Freiheit des Internet schützt und die Möglichkeiten zur Teilhabe ausbaut. Es sollte jedem „Netizen“ möglich sein die Vorteile der Vernetzung einem Unwissenden zu vermitteln, weil letztendlich jeder Mensch von einem freien Internet profitieren würde. Das sollte beweis genug sein, dass es eigentlich keine Lücke zwischen „Offlinern“ und „Netizens“ gibt.

Wütend bin ich darüber, dass wir uns selber so im Wege stehen.


Manifest eines fast 26 Jährigen im Jahr 2011

Wenn man in Deutschland aufwächst gewinnt man zwangsläufig den Eindruck, man befände sich in einer relativ guten Position. Der Zufriedenheitsfaktor eines kleinen menschlichen Wesens hängt schließlich nicht davon ab, welche Mißstände im Lebensumfeld einer der Infantilität entwachsenen Person das Leben zur unverständlichen Qual machen. Angenommen, die Kindheit verliefe weitgehend normal; Muttermilch oder Milchersatzstoffe machen einen kräftig, Spielzeug und Freunde stehen auf Abruf bereit („Kann der Dennis raus kommen zum spielen?“) und sonst gab es auch keinen erheblichen Stress. Papa und Mama oder Mama und Mama oder Papa und Papa haben bei Problemen immer den vollen Durchblick. Eine nach unseren Maßstäben normale Kindheit.

Nach einiger Zeit ist die kindliche Phase beendet. Neue Gedanken beginnen einen selbst zu Beschäftigen. Autos, Puppen und Sandkästen sind uninteressant und doch nur etwas für „Kinder“. Man fühlt sich groß, erwachsen, mündig und beginnt wie die Großen zu denken und zu handeln. Je nach Vorbild kann das nun völlig unterschiedliche Ergebnisse haben. In diesem Text gehe ich aber von politisch interessierten Bams-Lesern, Sportstudioguckern, seit dem 14. Lebensjahr arbeitenden Eltern aus, die schon immer froh und glücklich waren, sich in einem abschottenden und umkuschelnden Sozialstaat so richtig schön einrichten zu dürfen – so weit es einem aus ihrer Sicht zusteht. Nettigkeit und Höflichkeit standen im Umgang mit anderen Menschen immer im Vordergrund. Die gutbürgerliche, heuchlerische Art stammt noch von einer Generation, die heute noch die Straßenseite wechselt, um dem entgegen kommenden Arzt (Doktor) oder Pfarrer Platz zu machen (so wurde es mir berichtet). Sobald aber die Messe oder Untersuchung vorbei war durfte man beherzt über das eine oder andere lästern. Zu meckern hat man schließlich immer was und die dabei entstehende, kurzweilige Unterhaltung sorgte für Ablenkung im tristen Nachkriegsalltag.

Da hat man nun seine wundervolle Kindheit hinter sich gebracht, wundert sich über die seltsamsten Dinge die einem passieren und merkt anhand einer drastisch steigenden Anzahl von Konfliktherden in seinem persönlichen Umfeld, dass man seine Verteidigungsstrategien weiter ausbauen muss. Man lernt seinen eigenen, immer richtigen, über alles erhabenen Standpunkt mit physischer oder psychischer Gewalt, entgegen jeder Vernunft, gegenüber allen möglichen Angreifern zu verteidigen. Es werden keine Unterschiede zwischen Feinden gemacht. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.

Ein markantes Merkmal dieses Verhaltens ist die grundsätzliche Unterstellung böser (sprich: gegen mich) Motive.

Dieser Zustand, welcher zunächst jeglicher Logik- und Vernunft entbehrt, ist ein im Leben alles entscheidender Spin. Durch ihn lernt man, dass unser Denken und Handeln nicht nur die Gegenwart verändert, sondern die Weichen für die Zukunft maßgeblich durch uns selber beeinflusst werden. Dies erkennen nun nicht wenige erst viel zu spät, wenn man keine Chance hat noch etwas zu ändern und sich dann der selbstgemachten Fehlentscheidungen bewusst wird. Geplagt von seinem eigenen Gewissen wird man nur noch selten ehrlich lachen können. Das Leben wird bestimmt durch die Gewissheit, nicht das erreicht zu haben, was man hätte sein können; nicht das bewirkt zu haben, was man hätte verändern können.

Demgegenüber stehen Menschen, die diese Erkenntnis nicht schon früher erreicht sondern auch ausgebaut haben. Sie haben erkannt, dass es völlig egal ist, ob man nun nett und höflich daher redet oder sich wie das kleine Arschloch benimmt. Alleine das zu erreichende Ziel bestimmt die Art, wie wir miteinander umgehen. Ein/e Ellbogen-Karrierist/in wird nett und höflich sein, wenn es sein muss. Er/Sie wird skrupellos und ohne Rücksicht agieren, wenn es sein muss, um bestimmte Karriereziele zu erreichen.

So ähnlich wird es jemand machen, der altruistische Ziele verfolgt oder meint, altruistische Ziele zu verfolgen. Sein Motiv wird über jeden Preis gestellt und nicht selten müssen dafür andere Menschen Opfer bringen. Es muss bei diesem Typ allerdings einen Unterschied geben: Er/Sie wird seine/ihre Ziele immer transparent und ehrlich den Betroffenen mitteilen. Das ist ein äußerst wichtiger Faktor. Nur durch Ehrlichkeit und Transparenz lässt sich eine Vielzahl von Menschen darauf ein, etwas abzugeben, um in der Zukunft etwas zu erhalten (entweder für sich selber, oder für die Nachkommen).

Allein die Antwort auf die Frage, welches Ziel wir unserem Leben geben, ist entscheidend für dessen Weg.

Schuld daran hat man selbst oder äußere Einflüsse. Der lobenswerten Tatsache das wir uns diese Frage, auf Grund eines nicht existenten Zufriedenheitsgefühls mit der Antwort, immer wieder stellen, steht die bequeme und faule Suche nach der Antwort diametral entgegen.
Schwierige Antworten sind nichts für Menschen. Der Mensch möchte immer einfache Antworten haben, die zwar falsch sein können, auf Grund ihrer Simplizität aber von jedem halbwegs durchwachsenen Gehirn erfasst und zum späteren Abruf gespeichert werden können. Diese Antworten werden frühestens dann angezweifelt, wenn das Fundament dafür brüchig wird, man auf einmal erkennt, dass man getäuscht oder betrogen wurde.

Nicht immer trauen sich die Menschen, die Wahrheit als gegeben anzunehmen. Sie versuchen durch Dehnen, Strecken und Umorganisieren der Informationslage die Wahrheit wieder wahr werden zu lassen, anstatt sie als falsch abzulegen. Es ist viel einfacher, auf dieser Basis weiterzuleben, als sich einer neuen Situation anzupassen und sein Verhalten entsprechend zu ändern. Dieser Zustand, diese Peinlichkeit, dass nicht zugeben von wahren Informationen, ist die größte Sünde unserer modernen Gesellschaft. Wir verdrängen die Probleme, die eine Entwicklung behindern und stellen uns nicht den Herausforderungen des 3. Jahrtausends. Ein paar Beispiele:

  • viele Menschen wissen, dass sich das Klima verändert und dadurch für einige Menschengruppen unwiderrufliche Nachteile entstehen werden, welche sich dann, z.B. durch Migrationen, auch auf die nicht direkt betroffenen Menschen auswirken wird. Und was wird dagegen, auf globaler Ebene, getan? Nichts.
  • seit das Internet die Verbreitung von Informationen für die Menschen so wesentlich erleichtert hat, ist man auch in der Lage, mehr Informationen zu bekommen, als über die klassischen Medien wie Print und Fernsehen. Und was kann man nun im Internet lesen? Man liest, dass sich Politiker, die einen Eid darauf geschworen haben, zum Wohle des Volkes zu dienen, sich in Ihren Entscheidungen meist nur durch wenige Faktoren beirren lassen. Nicht der Wille des Volkes ist entscheidend, sondern die politischen Verstrickungen und Versprechungen zwischen Regierung und Unternehmen, der Fraktionszwang und die Aussicht, mit einer Entscheidung mehr Stimmen bei der nächsten Wahl zu erhalten.

Diese Informationen sind im Internet leicht innerhalb von einer paar Minuten zu recherchieren. Jeder  gebildete Mensch, vor allem in Deutschland, wäre dazu in der Lage. Aber warum haben diese Informationen dann keine Auswirkungen auf die Gegenwart? Weil die Menschen diese Informationen zwar aufnehmen, sie aber nicht zu der Wahrheit zusammen setzen, die existiert. Der Zusammenschluss dieser Informationen und die daraus resultierende Folgerung, dass unser Staat keine Demokratie ist, ist für viele Menschen einfach nicht akzeptabel. Wer möchte schon in einer Bananenrepublik leben?

Nun, ich als 25-jähriger, selbstdenkender Mensch, habe es schwer, meine Ansichten unter meinen Leuten zu teilen. Erfahre ich doch immer wieder ärgerliche Konterreaktionen auf meine Person. Es ist sehr schwer den Menschen (vielleicht besonders schwer, den Deutschen) beizubringen, dass Veränderungen nötig sind, damit die Perspektive unserer Gesellschaft wieder Hoffnung und Besserung zulässt. Wer glaubt schon daran, dass wir in 50 Jahren besser leben werden, als heute?

Den Menschen dies beizubringen, schonend, provokant, manchmal lustig, darum soll es in diesem Blog gehen. Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. Dabei sollte aber nie das Ziel aus den Augen verloren gehen.

Syndikalistische Grüße!